Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

Fantasie ist nicht Ausflucht.

Sich etwas vorstellen, heißt, eine Welt erschaffen.


Die Auswahl

Roman von Ally Condie

464 Seiten

Spannend und erschreckend zugleich.

 

Was die Menschen essen, wo sie wohnen, was sie arbeiten, welche Kleidung sie tragen, wie lange sie leben, wen sie heiraten – das System, genauer gesagt: die Funktionäre, schreiben alles vor. Und nicht nur das! Es gibt genau 100 Gedichte, 100 Kunstwerke, 100 Bücher, 100 Filme … Das System hat auch hier ausgewählt und alles andere vernichtet. Natürlich gibt es für jede Regel und jede Begrenzung eine vernünftig erscheinende Begründung, außerdem leben die Menschen bereits seit zwei Generationen in diesem System. Die meisten wissen daher gar nicht mehr, wie es vorher war. Nur die Großeltern können sich erinnern, gehörten immerhin zu der Generation, die ausgewählt hat. 

In dieser Welt lebt die 16-jährige Cassia, und für sie ist diese Reglementierung völlig normal.
Mit einem vom System zur Verfügung gestellten, hübschen Kleid ist sie auf dem Weg zu ihrem Paarungsbankett. Dort wird sie erfahren, wer ihr zukünftiger Partner sein wird, und natürlich ist sie aufgeregt.
Zu ihrem Erstaunen, aber auch zu ihrer Freude, hat das System ihren besten Freund Xander für sie ausgewählt. Zuhause stellt sie jedoch fest, dass das System einen Fehler gemacht hat, denn der Chip, den sie von den Funktionären erhalten hat und der mit Informationen über Xander gefüllt sein sollte, zeigt jemand anderen: Ky.
Ky ist Cassia ebenfalls bekannt, doch sie hat sich nie sonderlich für ihn interessiert.
Dies ändert sich nun.
Sie beginnt, ihn mit anderen Augen zu sehen, und verliebt sich in ihn. Und noch etwas verändert sich: Das System macht keine Fehler – und genau dies beginnt sie in Frage zu stellen.
Cassia & Ky – eine verbotene Liebe beginnt!

Die Welt, die Ally Condie dem Leser bietet, ist trotz der kühlen Darstellung überaus reizvoll. Als Leser weiß man selbstverständlich sofort, dass diese Welt so nicht gut ist. Menschen, die in jedem Bereich ihres Lebens kontrolliert und reglementiert werden – ein Gedanke, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Und als Leser fragt man sich sofort, warum die Menschen nicht aufbegehren, warum sie sich nicht längst gewehrt haben.
Doch sie kennen es inzwischen nicht mehr anders.
Gerade für die junge Generation, zu der Cassia gehört, ist dieses Leben normal. Einzig Cassias Großvater kann sich erinnern, und ganz vorsichtig fließen an der ein oder anderen Stelle Zweifel ein, unterschwellig und kaum wahrnehmbar zunächst.
Dass etwas nicht wie gewünscht funktioniert, beweist zunächst, dafür aber umso deutlicher, die Bespielung des Chips.
Xander oder Ky? Die Funktionäre sagen Xander, der Chip sagt Ky.
Cassia spürt leise Rebellion in sich aufsteigen und beginnt, sich erst still und heimlich, dann immer gewagter, gegen das System zu stellen. Obwohl sie Xander sehr mag, er ihr bester Freund ist und bleibt, verliebt sie sich in Ky. Und er sich in sie.
Ally Condie lässt sich viel Zeit damit, die immer größer werdenden Gefühle der beiden zueinander darzustellen. Genau richtig, denn eine plötzlich über Cassia hereinbrechende Liebe zu Ky, für den sie sich vor dem Chip nicht weiter interessiert hat, wäre nicht realistisch gewesen. Besondere Tiefe erhält die Story vor allem durch die damit einhergehende Frage, ob sich Cassia auch ohne den Chip in Ky verliebt hätte?!

 

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