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Das Cafe am Rande der Welt

Eine Erzählung über den Sinn des Lebens von John Strelecky

128 Seiten

Humorvoll und anrührend

 

Dieses Buch hat mir meine Schwiegermutti ausgeliehen. Ich finde die Geschichte sehr tiefgreifend und berührend, es hat mich nachhaltig sehr beeindruckt und meine Denkweise beeinflusst. Es ist ein Buch, das sich auf ganz einfache und ehrliche Weise mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt und dabei auf dem Boden bleibt. Das Buch beschäftigt sich mit Themen, mit denen sich jeder Mensch auseinandersetzen sollte, da es dabei um die grundlegenden Dinge des Lebens geht: Nämlich um das Leben leben.


Warum bist Du hier?

 

„Warum bist du hier?“ Mit dieser auf den ersten Blick simplen Frage wird der Geschäftsmann John in einem Café konfrontiert, das er nur zufällig entdeckt hat, da er sich verirrt hat. Ist doch klar, er ist in einem Café, um etwas zu essen und sich eine kurze Pause auf dem Weg zu gönnen. Nach und nach jedoch merkt John, wie komplex diese Frage aber eigentlich ist, denn sie lässt ihn nicht mehr los. Ihm wird bewusst, dass er sich nicht nur auf seinem Weg in den Urlaub verirrt hat, sondern scheinbar auch in seinem Leben. Keine Freude, kein Sinn des Lebens, nur noch Leere und Arbeit und Handeln wie eine Maschine? Das kann es ja nicht gewesen sein, denkt er sich und begibt sich auf eine Reise zu sich selbst.

 

 

Auch die beiden weiteren Fragen – „Hast du Angst vor dem Tod?“ und „Führst du ein erfülltes Leben?“ – packen ihn und lassen ihn nicht mehr los. John ist reichlich vor den Kopf gestoßen; es scheint, als wäre John erwacht – und das nur durch diese drei Fragen. Er merkt, wie ihn die Fragen auf eine ganz bestimmte Weise berühren und nicht mehr loslassen. Mit Hilfe der im Café arbeitenden Kellnerin und des Besitzers gelingt es John, diese Fragen durch das Auseinandersetzen und Reflektieren mit sich selbst nach und nach zu beantworten. Er stellt seine Lebensweise in Frage stellt. Schon länger hatte John sich gefragt, ob es im Leben nicht mehr geben sollte als arbeiten:  Lernen in der Schule, studieren an der Universität. Arbeiten um Geld zu verdienen, arbeiten um befördert zu werden, befördert werden, um mehr Geld zu verdienen. Ein ungutes Gefühl, das John nicht mehr los lässt. Durch seinen Besuch des Cafés am Rande der Welt findet er Zugang zu sich selbst und erhält Antworten. Antworten, die nicht von außen kommen, sondern aus ihm selbst.

 

John ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, dessen Leben aus Arbeiten besteht. Sein Leben lang hat er das nicht hinterfragt. Aber glücklich war er nicht. Wie John geht es auch vielen Menschen in der Realität traurigerweise so. Doch warum akzeptieren die Menschen sowohl in Geschichten als auch in der Realität diesen Umstand so selbstverständlich, warum wird das nicht hinterfragt? Eine der Personen aus der Erzählung hat darauf die Antwort: Durch Werbung, mit der wir in unserem Leben tag täglich konfrontiert werden, werden wir dazu gebracht, bestimmte Dienste in Anspruch zu nehmen und Produkte zu kaufen. Dies erreicht die Werbung, indem sie Ängste oder Sehnsüchte der Menschen weckt. So bekommt das Leben beispielsweise einen Sinn, wann man ein bestimmtes Auto fährt oder man wird glücklich, wenn man einen neuen Fernseher besitzt. All diese Dinge kosten Geld. Also muss man arbeiten gehen, ob es nun Spaß macht oder nicht. Man beschwichtigt sich damit, dass es nur vorübergehend ist. Nur, bis man diesen oder jenen Gegenstand, der uns glücklich macht, besitzt. Doch durch einen Job, der uns nicht erfüllt, wird man nur unzufriedener. Man konsumiert weiter Sachen in der Hoffnung, dass sich die Botschaft aus der Werbung erfüllt. Es ist ein Teufelskreis.

 

 

Ganz so einfach wie hier beschrieben ist es in der Realität nun vielleicht doch nicht, jedoch enthält es einen wahren Kern, mit dem man sich auseinandersetzen sollte. Das bedeutet nun aber nicht, dass man sich nie mehr etwas kaufen sollte. Man muss nur aufpassen, dass diese Welt des Konsumierens und des Arbeiten, um das Konsumieren zu finanzieren, einen nicht vereinnahmt. Es bedeutet auch nicht, dass man nun nicht mehr arbeiten soll. Es bedeutet, dass man das machen soll, was einen erfüllt. Man hat nur ein Leben und in diesem sollte man einen Job haben, die einem Spaß macht.

 

Die folgende Geschichte, die der Besitzer des Cafés John erzählt, besticht durch ihre Einfachheit, Klarheit und Wahrheit und verdeutlich, worauf es im Leben ankommt: Ein Geschäftsmann beobachtet einen Fischer, den glücklichsten Menschen aus dem Dorf. Der Fischer erzählt ihm, wie er seinen Tag verbringt: Er verbringt viel Zeit mit seiner Familie und dem Fischen, welches ihm Freude bereitet und  mit dem er seine Familie ernährt. Der Geschäftsmann kann mit diesem einfachen Leben nichts anfangen und schlägt dem Fischer vor, ein Fischhandelsunternehmen aufzubauen, um viel Geld zu verdienen und sich anschließend zur Ruhe zu setzen. Der Fischer jedoch erklärt, dass er selbst als reicher Mensch im Ruhestand genau das tun würde, was er eigentlich jetzt schon jeden Tag macht – nur dass er in der Zeit der Unternehmensgründung und -führung kein glückliches Leben haben würde. Damit zeigt er dem Geschäftsmann, wie unsinnig dessen Idee war.

 


Auch in der heutigen Gesellschaft arbeiten wir, um Geld zu verdienen, um irgendwann in den wohl verdienten Ruhestand zu gehen. Erst dann hat man scheinbar Zeit und Geld für all die schönen Dinge, um zu machen, was man möchte. Doch dabei vergisst man einen sehr wesentlichen Punkt: Im Hier und Jetzt sein, das Jetzt genießen und etwas machen, was einen erfüllt. „Zwei Wochen Urlaub – endlich das Leben genießen“ erscheint auf den ersten Blick wie ein Satz von jemandem, für den man sich freuen könnte. Betrachtet man diesen Satz jedoch genauer, zeigt sich, wie erschreckend diese Aussage ist: Eigentlich ist es ein sehr trauriger und bedauernswerter Umstand, dass man in seinem einzigen und wertvollen Leben nur diese zwei Wochen Urlaub im Jahr genießen kann.

Doch das trifft so nicht nur auf den Urlaub zu, den man sich schön hart erarbeitet hat, sondern auch auf den Ruhestand nach langjährigem Arbeiten: Man verbringt Zeit damit, sich darauf vorzubereiten, was man tun möchte, anstatt es einfach zu tun. Für den Ruhestand wünscht man sich Zufriedenheit, Glück und Erfüllung – doch dies gönnt man sich nicht, während man darauf hinarbeitet? Wenn man so darüber nachdenkt, fragt man sich, ob das nicht eine verkehrte Welt ist…


Lieblingszitate aus diesem Buch:

 

~ Ich hatte das Gefühl, mein Leben mehr und mehr gegen Geld 
einzutauschen, wobei mir das kein besonders guter Handel zu sein schien.
(S. 10)
~ Manchmal ist es hilfreich, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen. ~  
(S. 29)
~ Wir alle begegnen dem Leben auf unsere eigene Weise. ~  
(S. 42)
~ Manchmal weiß man gar nicht, wie bereit man für etwas ist, das einen ausfüllt.
(S. 44) 

~ Es geht darum, die Dinge, die ich tun möchte, auch tatsächlich zu tun. ~  
(S. 84)
~ »Danke, Mike. Das ist eine tolle Geschichte.«
»Das ganze Leben ist eine tolle Geschichte, John! Einige Menschen erkennen bloß nicht, 

dass sie selbst die Autoren sind und die Geschichte so schreiben können, wie sie es möchten.«
(S. 120)

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Kommentare: 2
  • #1

    Sweta (Mittwoch, 31 Oktober 2018 19:35)

    Das Buch hört sich echt interessant an. Danke für die Vorstellung, da ich nach tollen Büchern suche! :')

    Liebste Grüße ♥

  • #2

    Carmen (Mittwoch, 31 Oktober 2018 23:00)

    Das ist wirklich sehr schön geschrieben. Mir gefällt aber vor allem, dass du dir die Zitate aus dem Buch merkst / rausschreibst. Ich habe mir das schon so oft vorgenommen, ein kleines Buch nur mit solchen Zitaten zu füllen, aber leider nie durchgezogen...

    Liebste Grüße,
    Carmen <3