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Tschüss Teelichter

Ich mag Kerzenlicht! Es macht eine schöne Stimmung und verleiht jedem Raum etwas behagliches. Das Licht ist schön warm, es wird irgendwie gemütlicher.

 

Ist dir schoneinmal aufgefallen wie viel Müll eine Packung Teelichter macht? Mir wurde es vor kurzem bewusst. Da ist einmal die Plastikfolie drumherum und dann die kleinen Aluminium Becher, die nach wenigen Stunden brenndauer im Müll landen. Welch eine verschwendung für diesen Rohstoff. Ein Teelicht brennt vielleicht 3-4 Stunden, wenn überhaupt so lange. Es bleiben auch immer Wachsreste in der Aluschale. Oft habe ich es bei Teelichtern, wenn ich sie nach 1-2 Stunden auspuste, brennt sie beim zweiten Mal anzünden, am nächsten Tag zum Beispiel, garnicht mehr ganz runter. 

 

Ich habe nun beschlossen auf Teelichter zu verzichten.

Für die Gewinnung von Aluminium wird Lebensraum und tropischer Regenwald zerstört, die Gesundheit von Menschen aufs Spiel gesetzt, und die Herstellung kostet Unmengen an Energie.

„Mit Aluminium gibt es vier große Probleme“, sagt die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Lea Horak, Kampagnen-Leiterin beim Verein „Rettet den Regenwald“.

Problem Nummer 1: Die Förderung von aluminiumhaltigem Bauxit

 

Aluminium kommt in der Natur nicht in reiner Form vor. Es wird mittels verschiedener Verfahren aus Bauxit gewonnen, ein Gestein, das je nach Vorkommen aus verschiedenen Aluminiummineralien sowie Eisenoxiden und anderen Elementen besteht. Die größten Bauxitvorkommen liegen im tropischen Regenwaldgürtel. Zu den wichtigsten Förderländern gehören China, Australien, Guinea und Brasilien. Das Erz liegt nur wenige Meter tief in den Erdschichten und wird im Tagebau gefördert – und da liegt das Problem. Zuerst wird der Regenwald gerodet, dann schaufeln Bagger das Erdreich und schließlich den Bauxit ab. Die Minen hinterlassen ein Szenario wie auf dem Mars: karge Landschaften, in denen kein grünes Hälmchen mehr wächst.

 

Beispiel: Die größte Bauxitmine Brasiliens und drittgrößte weltweit ist Porto Trombetas mitten im Regenwald des Amazonas. Jährlich werden dort 18 Millionen Tonnen Aluminium gewonnen, Schätzungen zufolge reicht das Vorkommen noch für 25 bis 30 Jahre. „Dafür wird pro Jahr eine Regenwaldfläche von etwa 250 Fußballfeldern gerodet“, erklärt Horak. Zwar gebe es Aufforstungsprojekte, doch sie reichen laut der Expertin nicht aus: „Bis annähernd wieder der Ausgangszustand erreicht ist, vergehen viele Hundert Jahre.“

 

Zu lange. Denn der tropische Regenwald ist – wie alle Wälder – ein wichtiger Klimaregulator für die Erde. In einem Quadratkilometer Amazonas-Regenwald sind rund 20.000 Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Ohne diesen Speicher würden laut Umweltexperten der Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre und die Temperaturen stark ansteigen – mit bisher unkalkulierbaren Folgen für das Leben auf unserem Planeten.

 

Problem Nummer 2: Die Weiterverarbeitung von Aluminium

 

Wie schon erwähnt, muss Aluminium erst von den anderen Bestandteilen des Bauxits getrennt werden. Das geschieht in mehreren Schritten mittels aufwändiger chemischer Verfahren. Zum Einsatz kommen dabei auch gefährliche Substanzen wie etwa ätzende Natronlauge, in welcher der Bauxit erhitzt wird. Dadurch wird Aluminiumhydroxid ausgeschieden. Der eisenhaltige, giftige Rückstand wird aufgrund seiner Farbe Rotschlamm genannt.

Am 4. Oktober 2010 führte der Dammbruch eines Deponiebeckens in einer ungarischen Aluminiumfabrik zu einer der größten europäischen Umweltkatastrophen. Der Rotschlamm überflutete einige Dörfer, die Folgen: Rund 150 Verletzte, unbewohnbare Häuser und verseuchter

 

 

Unfälle im Zusammenhang mit der Alu-Gewinnung sind fast an der Tagesordnung. 2007 musste eine Bauxit-Mine in der Nähe von Rio de Janeiro geschlossen werden, nachdem ein Damm gebrochen war. Zwei Milliarden Liter Abraumschlamm strömten in die Flüsse Fubá und Muriaé und verschlammten die Städte Miraí e Muriaé. „Zudem klagen Menschen, die in der Nähe einer Bauxitmine leben, immer wieder über Fischsterben und verseuchtes Trinkwasser“, sagt Horak.

 

Problem Nummer 3: Hoher Energieverbrauch bei Aluminiumgewinnung

 

Die Aluminiumgewinnung kostet sehr viel Energie. „Die Trimet-Aluminium-Hütte in Essen verbraucht so viel Strom wie sämtliche anderen Industriebetriebe und privaten Haushalte zusammen“, so Horak. Global gesehen: Drei Prozent des weltweiten Strombedarfs geht auf das Konto der Aluminiumschmelzen. Um diesen Strom kostengünstig zu produzieren, werden in Brasilien Wasserkraftwerke und Staudämme gebaut. Auch dafür wird Regenwald abgeholzt, zudem versinken ganze Landstriche unter Wasser. „Der gewonnene Strom kommt jedoch nicht der ländlichen Bevölkerung zugute. Der Großteil fließt in Bergbau- und Industrieprojekte“, kritisiert Horak.

 

„Trotz Rekultivierungs- und Aufforstungsmaßnahmen wird eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt durch diese Eingriffe nachhaltig verändert“, so das Ergebnis dreijähriger Fallstudien im Auftrag des Bundesumweltamtes (Rüttinger et al (2016): Umwelt und Sozialauswirkungen der Bauxitgewinnung und Aluminiumherstellung in Pará, Brasilien. Berlin: adelphi).

 

Problem Nummer 4: Aluminium ist gesundheitsschädlich

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Aluminiumsalze, die zum Beispiel in Deodorants, Nahrungszusätzen oder säurehemmenden Medikamenten enthalten sind, Brustkrebs erzeugen können. Die Ergebnisse veröffentlichte das International Journal of Cancer im September 2016. Welche anderen Folgen das Leichtmetall haben kann, ist bisher noch wenig erforscht.

Boden.

Möchte ich das? Für einen kurzen Moment Kerzenlicht? Nein!

Ich werde nun also die Teelichter die ich noch Zuhause habe aufbrauchen und dann umrüsten auf Stumpkerzen. Langfristig überlege ich mir Kerzen eventuell selber zu machen oder nach Alterntiven zu schauen. Es ist zwar schade das ich dann einige Dekoartikel (Teelichthalter) nicht mehr nutzen kann, allerdings bin ich ja sowieso dabei auszumisten. Dann geht vielleicht auch der ein oder andere Dekoartikel und der Minimalismus weitet sich dafür mehr in meinem Zuhause aus.

 

Wie ist deine Einstellung zu Kerzen, bzw Teelichter?

Bist du auch ein Kerzenjunkie, so wie ich?

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Hella (Montag, 04 Februar 2019 09:18)

    Ich bin ein totaler Kerzenliebhaber. Ich bin überrascht zu lesen, dass die harmlos erscheinenden Teelichter tatsächlich so viele Probleme mit sich bringen. Ich kaufe zwar selten bis nie Teelichter, aber werde jetzt defintiv achtsamer sein und zum Beispiel in meinem Bekanntenkreis darauf aufmerksam machen. Danke.

    LG Hella

  • #2

    Vanessa (Montag, 04 Februar 2019 15:44)

    Toller & informativer Beitrag! :)
    Ich finde es toll, dass du in deinem Beitrag auf so ein wichtiges Thema aufmerksam machst.
    Ich habe noch ein paar Teelichter Zuhause, habe mir aber ebenfalls vorgenommen sie nach dem Verbrauch nicht mehr nachzukaufen.
    Jeder kleine Schritt, der in Richtung Müll reduzieren geht finde ich wichtig & unterstützenswert. :)

    Liebe Grüße
    Vanessa

  • #3

    Sarah (Dienstag, 05 Februar 2019 19:25)

    Oh ja ich liebe Kerzen auch, aber Teelichter sind auch nicht so meins. Neben den schlechten Faktoren, sind sie auch einfach zu schnell abgebrannt. Lieber große Kerzen :)

    Liebst, Sarah von Belle Mélange

  • #4

    Michelle Hoffmann (Mittwoch, 06 Februar 2019 13:26)

    Ich liebe Kerzen und habe so einige Teelichter zu Hause.
    Aber deine Aspekte klingen schon sehr gut.
    Werde zukünftig auch mehr darauf achten.
    Dann lieber große Kerzen. Davon hat man länger.
    Liebe grüße Michelle von mishy-hoffmann

  • #5

    Mona (Samstag, 16 März 2019 00:52)

    Ich liebe Kerzen, aber dann doch lieber große Kerzen als Teelichter.
    Liebe Grüße, Mona